In der Diskussion um medizinische Behandlungen am Lebensende werden verschiedene Bedeutungsweisen des Begriffs „Selbstbestimmung“ (oder Autonomie) verwendet. Hier einige grundlegende Unterscheidungen:

Selbstbestimmung als Abwehrrecht

Aus juristischer Sicht darf kein Mensch ohne seine -› Einwilligung behandelt werden, mit anderen Worten: Niemandem darf eine medizinische Behandlung gegen seinen Willen aufgezwungen werden. Auch von Ärzten oder anderen Personen als unvernünftig empfundene Behandlungsablehnungen sind zu respektieren, selbst dann, wenn der Betroffene dadurch sein Leben riskiert (Beispiel: Verweigerung von Blut oder Blutprodukten durch Zeugen Jehovas).

Selbstbestimmung als Anspruchsrecht

Dieses Recht ist im Hinblick auf medizinische Behandlungen in Deutschland nicht existent. Es gibt keinen Anspruch auf eine über den normalen Gegenwartsstandard hinausgehende Behandlung. Das heißt auch: es können keine medizinischen Maßnahmen eingefordert werden, für die aus ärztlicher Sicht keine Indikation gegeben ist.

Unterscheidung von „essentieller Autonomie“ und „funktionaler Autonomie“

Der in der internationalen Diskussion unkritisch verwendete Begriff Autonomie („autonomy“) führt in Deutschland (wegen der im Deutschen besonderen Begriffsgeschichte) immer wieder zu Diskussionen darüber, ob Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten von den Befürwortern eines absolut gesetzten „Autonomie-Postulats“ Würde abgesprochen wird. Der Philosoph J. Beckmann hat mit Hinweis auf das Autonomieverständnis I. Kants auf die Unterscheidung einer „funktionalen Seite“ von Autonomie (die vorübergehend oder dauerhaft nicht gegeben sein kann) und einer „essentiellen Seite“ (die jedem Menschen zukommt – und deren er nie verlustig gehen kann), hingewiesen. Die Würde, autonom im essentiellen Sinne zu sein, kommt also ebenso dem komatösen Patienten wie dem noch nicht geborenen Kind zu.

Christliches Verständnis

Nach biblisch-christlichem Verständnis ist jedes Leben Geschenk Gottes und damit verdanktes Leben. Der Anspruch auf Selbstbestimmung wird auf diesem Hintergrund nicht absolut gesetzt.

Relationale Autonomie

Dieser Begriff würdigt die Tatsache, dass der Selbstbestimmungsanspruch des Einzelnen immer auch im Lichte der „Mit-Betroffenheit“ der Menschen zu sehen ist, mit denen dieser in einer sozialen Beziehung steht.

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