Glossar

Advance Care Planning (ACP)

Studien haben gezeigt, dass das Instrument der „Patientenverfügung“ oft nicht beachtet wird. Beispielsweise weil im Ernstfall niemand von der Existenz einer Patientenverfügung weiß, weil sie nicht auffindbar ist, oder – wenn vorhanden – sie im Hinblick auf die eingetretene Situation nicht genügend aussagekräftig ist. Ein international schon sehr verbreiteter umfassenderer Ansatz ist dagegen wesentlich erfolgversprechender: Advance Care Planning (ACP). Eine genaue Übersetzung ins Deutsche ist schwierig, es bedeutet aber in etwa: -› Vorausschauende Behandlungsplanung. Das Besondere daran ist einerseits, dass Menschen bei der Auseinandersetzung mit Fragen der Behandlung am Lebensende und der Erstellung von Patientenverfügungen durch geschultes Personal unterstützt werden und, dass das Ganze nicht als einmaliges Ereignis, sondern als ein fortdauernder Prozess verstanden wird. Andererseits, dass alle möglicherweise einmal im Anwendungsfall mit der Umsetzung betrauten Personen (z. B. Pflegekräfte im Altenheim, Notärzte, Notaufnahme-Personal im Krankenhaus, usw.) geschult sind, so dass sie beispielsweise die verwendeten Formulare kennen und verstehen. In Grevenbroich ist in den vergangenen Jahren das erste größere ACP-Projekt Deutschlands: beizeiten begleiten, durchgeführt worden. Im Hospiz- und Palliativgesetz vom November 2015 ist dieses Konzept zur Grundlage für die neu eingeführte Krankenkassenleistung: „Gesundheitliche Versorgungsplanung“ gemacht worden. (§132g SGB V).

Allgemeine ambulante Palliativ Versorgung (AAPV)

Die allgemeine ambulante Palliativversorgung dient dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Palliativpatienten so weit wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer gewohnten Umgebung, in stationären Pflegeeinrichtungen bzw. stationären Hospizen zu ermöglichen. AAPV beinhaltet die Palliativversorgung, die von Leistungserbringern der Primärversorgung (in erster Linie den niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie den ambulanten Pflegediensten) mit palliativmedizinischer Basisqualifikation erbracht werden kann. Der Großteil der Palliativpatienten, die medizinische und pflegerische Versorgung benötigen, kann auf diese Weise ausreichend versorgt werden.

Ambulanter Hospizdienst

Ambulante Hospizdienste unterstützen Schwerstkranke dabei, die letzte Zeit ihres Lebens zuhause zu verbringen. Die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der rund 1500 ambulanten Hospizdienste beraten in Fragen der ambulanten Betreuung, arbeiten mit Ärzten und Pflegediensten zusammen, begleiten die Familie in der Zeit des Sterbens sowie die Angehörigen auch über den Tod ihres Familienmitgliedes hinaus. Im Jahr 2015 sind rund 100.00 Ehrenamtliche bundesweit in der Hospiz-begleitung aktiv. (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin)

Autonomie

Siehe "Selbstbestimmung"

Behandlung im Voraus planen (BVP)

Die sich im deutschen Sprachraum durchsetzende Bezeichnung für ACP (siehe "ACP")

Beizeiten Begleiten

Von der Bundesregierung gefördertes erstes größeres -› ACP-Projekt in Deutschland das zum Modell für das Konzept der -› gesundheitlichen Versorgungsplanung im Hospiz- und Palliativgesetz wurde.
Quelle: www.beizeitenbegleiten.de/ 

Betreuungsverfügung

In einer Betreuungsverfügung wird vorsorglich eine Person benannt, die das Betreuungsgericht im Falle der eigenen Einwilligungsunfähigkeit zum Betreuer bestellen soll. Man kann darin auch bestimmte Personen gezielt für dieses Amt ausschließen (z. B. einen nahen Verwandten, mit dem man sich „überworfen hat“). Die Ermächtigung eines rechtlichen Stellvertreters durch eine -› Vollmacht macht die Erstellung einer Betreuungsverfügung überflüssig.

Einwilligung (Voraussetzung der informierten)

Jede medizinische Behandlung bedarf der Einwilligung des Betroffenen. Dieser muss eine angemessene Information über den Eingriff und seine möglichen Folgen vorausgehen. Da die Einwilligung in Notfällen oft nicht im Vorhinein eingeholt werden kann, muss im Nachhinein überprüft werden, ob die erfolgte Behandlungsmaßnahme im Sinne des Betroffenen war. Sonst muss diese beendet werden. Bei fehlender Einwilligungsfähigkeit ist die Einwilligung durch den rechtlichen Vertreter (-› Vollmacht, -› Betreuungsverfügung) einzuholen.

Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF)

Bewusst gewählte Nahrungs- und Flüssigkeitsverweigerung zur Herbeiführung des Todes. Menschen, die an ihrem Lebensende aufhören zu essen und zu trinken hat es zu allen Zeiten gegeben.

Wichtig zu wissen: Die Abnahme des Hunger- und Durstgefühls zum Lebensende hin ist ein natürlicher Vorgang. Die damit einhergehenden physiologischen Prozesse wirken sich beruhigend und entspannend auf den Organismus des Sterbenden aus.

Gesundheitliche Versorgungsplanung

Im Hospiz- und Palliativgesetz verwendete Bezeichnung für ACP. Siehe: "ACP"

Hospiz

In Deutschland ist ein stationäres Hospiz eine vom Krankenhaus oder Seniorenheim unabhängige Pflegeeinrichtung, in der Schwerstkranke mit absehbarem Lebensende betreut werden. Wenn ein Sterbender nicht zu Hause gepflegt werden kann und keine Behandlung im Krankenhaus (besser: auf einer Palliativstation) benötigt, bietet das stationäre Hospiz Geborgenheit und kompetente Betreuung.

(Quelle: www.palliativ-portal.de)

Palliativ

„Palliativ“ leitet sich her von dem lateinischen Begriff „palliare“ (verdecken, verbergen, bemänteln; Pallium – Mantel, Umhang). Damit ist ein medizinischer Ansatz charakterisiert, dessen Ziel nicht mehr die (nicht mehr zu erreichende) Heilung des Patienten ist, sondern das „Bedecken“ der mit der Krankheit einhergehenden belastenden Symptome (Schmerzen, Übelkeit, Angst, …).

Palliativmedizin

Palliativmedizin ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit den Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, gewissenhafte Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.

(Quelle:www.palliativ-portal.de)

Palliativstation

Eine Palliativstation ist Teil eines Krankenhauses. Ihr Ziel ist, sowohl die körperlichen Beschwerden einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung als auch die damit verbundenen psychosozialen Probleme zu lindern. Der Mensch soll so die Möglichkeit bekommen, den Rest seines Lebens in bestmöglicher Lebensqualität zu verbringen. Maßgeblich für eine Palliativstation ist ein multiprofessionelles Team. Auch die Angehörigen werden so weit möglich mit eingebunden und betreut. In Deutschland gibt es derzeit mindestens 230 Palliativstationen.

(Quelle:www.betanet.de)

Patientenverfügung

In einer Patientenverfügung (PV) können im Vorhinein Behandlungsentscheidungen für in der Zukunft liegende Krankheitssituationen (in denen der Betroffene nicht einwilligungsfähig ist) in schriftlicher Form getroffen werden. PVs sind grundsätzlich rechtsverbindlich. Dafür müssen sie jedoch die eingetretene Behandlungssituation konkret vorwegnehmen. Die unmittelbare Anwendbarkeit ist in den wenigsten Fällen gegeben. Dann muss der rechtliche Vertreter (-› Vollmacht) den (mutmaßlichen) Behandlungswunsch des Kranken ermitteln und durchsetzen. Im Idealfall ist der Bevollmächtigte auch über den Inhalt der Patientenverfügung hinaus umfassend über die Wertvorstellungen und evtl. Grenzen des Behandlungswunsches des Vollmachtgebers informiert. Es bedarf zur Durchsetzung des Willens eines Kranken nicht unbedingt einer PV. Gleichwohl hilft die PV dem Bevollmächtigten, die Behandlungswünsche Dritten gegenüber transparent und plausibel zu machen. In der Auseinandersetzung mit zu bedenkenden Fragen sollten möglichst viele Gespräche geführt werden. Neben Gesprächen mit dem Hausarzt sind auch Gespräche im Familien- und Freundeskreis gut und wichtig. Anlass dazu können z. B. Krankheitsfälle im persönlichen Umfeld sein, oder auch Medien-Berichte. Man sollte sich insbesondere (auch) mit folgenden Behandlungssituationen auseinandersetzen:
  •  Lebensbedrohliche Akut-Situationen (z. B. Schlaganfall, Herzstillstand)
  • Situationen der Entscheidungsunfähigkeit mit unklarem Ausgang
  • Situationen dauernder Entscheidungsunfähigkeit (z. B. Wachkoma, Demenz)
  • Ernährung über eine Bauchdeckensonde („PEG-Sonde“)
Die PV bindet immer nur andere, nicht den Verfasser selber!

Selbstbestimmung (Selbstbestimmungsanspruch, Autonomie)

In der Diskussion um medizinische Behandlungen am Lebensende werden verschiedene Bedeutungsweisen des Begriffs „Selbstbestimmung“ (oder Autonomie) verwendet. Hier einige grundlegende Unterscheidungen:

Selbstbestimmung als Abwehrrecht

Aus juristischer Sicht darf kein Mensch ohne seine -› Einwilligung behandelt werden, mit anderen Worten: Niemandem darf eine medizinische Behandlung gegen seinen Willen aufgezwungen werden. Auch von Ärzten oder anderen Personen als unvernünftig empfundene Behandlungsablehnungen sind zu respektieren, selbst dann, wenn der Betroffene dadurch sein Leben riskiert (Beispiel: Verweigerung von Blut oder Blutprodukten durch Zeugen Jehovas).

Selbstbestimmung als Anspruchsrecht

Dieses Recht ist im Hinblick auf medizinische Behandlungen in Deutschland nicht existent. Es gibt keinen Anspruch auf eine über den normalen Gegenwartsstandard hinausgehende Behandlung. Das heißt auch: es können keine medizinischen Maßnahmen eingefordert werden, für die aus ärztlicher Sicht keine Indikation gegeben ist.

Unterscheidung von „essentieller Autonomie“ und „funktionaler Autonomie“

Der in der internationalen Diskussion unkritisch verwendetes Begriff Autonomie („autonomy“) führt in Deutschland (wegen der im Deutschen besonderen Begriffsgeschichte) immer wieder zu Diskussionen darüber, ob Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten von den Befürwortern eines absolut gesetzten „Autonomie-Postulats“ Würde abgesprochen wird. Der Philosoph J. Beckmann hat mit Hinweis auf das Autonomieverständnis I. Kants auf die Unterscheidung einer „funktionalen Seite“ von Autonomie (die vorübergehend oder dauerhaft nicht gegeben sein kann) und einer „essentiellen Seite“ (die jedem Menschen zukommt – und deren er nie verlustig gehen kann), hingewiesen. Die Würde, autonom im essentiellen Sinne zu sein, kommt also ebenso dem komatösen Patienten wie dem noch nicht geborenen Kind zu.

Christliches Verständnis

Nach biblisch-christlichem Verständnis ist jedes Leben Geschenk Gottes und damit verdanktes Leben. Der Anspruch auf Selbstbestimmung wird auf diesem Hintergrund nicht absolut gesetzt.

Relationale Autonomie

Dieser Begriff würdigt die Tatsache, dass der Selbstbestimmungsanspruch des Einzelnen immer auch im Lichte der „Mit-Betroffenheit“ der Menschen zu sehen ist, mit denen dieser in einer sozialen Beziehung steht.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) dient – in Ergänzung zur allgemeinen ambulanten Palliativversorgung – dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Palliativpatienten so weit wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer gewohnten Umgebung, in stationären Pflegeeinrichtungen bzw. stationären Hospizen zu ermöglichen. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin)

Sterbefasten (Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit)

Siehe: "Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF)"

Suizidbeihilfe (Beihilfe zum Suizid)

Hilfe zum Suizid ist dann gegeben, wenn ein Mensch eine andere Person darin unterstützt, sich selber zu töten, etwa indem er die dafür benötigten Medikamente beschafft. Wenn die Tatherrschaft (wie beim Suizid) nicht bei dem Betroffenen, sondern bei dem Helfer liegt, ist der Straftatbestand der -› Tötung auf Verlangen gegeben. Suizidbeihilfe wird dann bestraft, wenn sie von Menschen geleistet wird, die das geschäftsmäßig (= auf Wiederholung angelegt) betreiben (§ 217 StGB). Bezügliche ärztlicher Suizidbeihilfe ist die Rechtslage gegenwärtig nicht ganz geklärt.

Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe)

Wird in Deutschland (schon als Versuch) strafrechtlich verfolgt und bestraft (§ 216 StGB.).

Vollmacht (Vorsorgevollmacht)

In Deutschland existiert kein (automatisches) Angehörigenvertretungsrecht. Es besteht aber die Möglichkeit, eine andere Person (z. B. den (Ehe-) Partner aber auch nicht verwandte Personen) im Hinblick auf gesundheitliche Entscheidungen im Vorhinein zu bevollmächtigen. Der schriftlich bevollmächtigte Stellvertreter kann im Falle eigener Entscheidungsunfähigkeit mit Rechtsmacht im Sinne des Betroffenen entscheiden. Falls keine bevollmächtigte Person zur Verfügung steht, muss für (aufzuschiebende) medizinische Entscheidungen vom Amtsgericht ein Betreuer bestellt werden. Eine Vollmacht gilt grundsätzlich unmittelbar (ab dem Zeitpunkt der Erstellung) bis zum Widerruf, sie kann jedoch auch zeitlich begrenzt werden. Vollmachten in denen als Wirksamkeitsvoraussetzung die Bedingung: „Wenn ich meine Dinge nicht mehr selber regeln kann, …“ (oder ähnlich), genannt ist, heißen: „Vorsorgevollmacht“. (Vorsorge-) Vollmachten für gesundheitliche Angelegenheiten bedürfen keiner notariellen Erstellung oder Beglaubigung. Gerade im Hinblick auf behandlungsbegrenzende Stellvertreterentscheidungen sind jedoch bestimmte formale Voraussetzungen zu beachten. Deshalb empfiehlt es sich auf gute Vorlagen, z. B. des Bundesministeriums der Justiz ( www.mv-justiz.de/Vorsorgevollmacht.pdf ), zurückzugreifen. Wenn Sie einer bestimmten Person bedenkenlos vertrauen, ist die frühzeitige Erteilung einer Vollmacht zu empfehlen. (vgl. Betreuungsverfügung)

Vorsorgevollmacht

Siehe "Vollmacht"